Von Wearables zur Frühwarnung: Kontinuierliches Patientenmonitoring und transparente Risikovorhersage in der Akutversorgung
Wearable-Sensoren bieten einen vielversprechenden Ansatz für ein kontinuierliches, automatisiertes Patientenmonitoring. Die Überführung dieses Potenzials in die klinische Praxis erfordert jedoch sowohl eine zuverlässige Datenerfassung als auch vertrauenswürdige prädiktive Modelle.
In diesem Vortrag stellt Dr. Samuel Wehrli (ZHAW) zwei komplementäre Arbeitsstränge aus dem Innosuisse-Flagship-Projekt SHIFT (Smart Hospital – Integrated Framework for Technology in Healthcare) vor, das in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Basel und der Leitwert AG durchgeführt wird.
Der erste Teil behandelt die Machbarkeit eines wearable-basierten Monitorings von Vitalparametern auf Bettenstationen. Eine Pilotstudie zeigt, dass Herzfrequenz und Atemfrequenz, gemessen mit einem am Handgelenk getragenen Gerät, eine hohe Übereinstimmung mit konventionellen NEWS2-Scores aufweisen.
Der zweite Teil stellt Hospital in Motion vor – einen sensorbasierten Ansatz zur Aktivitätsüberwachung, der darauf abzielt, hospitalisationsbedingte Funktionseinschränkungen bei älteren Patientinnen und Patienten zu verhindern. Durch die Erfassung und Förderung von Mobilität mittels klinisch validierter Algorithmen und nutzerzentrierter Dashboard-Interfaces unterstützt dieser Ansatz eine proaktive und personalisierte Versorgung.
Zudem wird das Hybrid-Naïve-Bayes-(HNB)-Framework vorgestellt – ein modularer Ansatz, der Prädiktoren aus unterschiedlichen Datenmodalitäten (z. B. kontinuierliche Wearable-Signale, binäre klinische Indikatoren und Patientendemografie) in einem transparenten Risikoscore auf statistisch fundierte Weise kombiniert. Das Framework ist robust gegenüber fehlenden Daten und liefert interpretierbare, gut kalibrierte Vorhersagen, die klinisch nachvollziehbar und vertrauenswürdig sind.
Der Vortrag zeigt, wie kontinuierliche Datenerfassung, Aktivitätsmonitoring und transparente Risikomodellierung zu einem durchgängigen, datengetriebenen Versorgungspfad zusammengeführt werden können – von der Aufnahme im Krankenhaus bis hin zum Monitoring im häuslichen Umfeld.
Über Samuel Wehrli
Dr. Samuel Wehrli ist Physiker und Gruppenleiter am Institute of Computational Life Sciences der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften).
Nach seiner Promotion an der ETH Zürich war er über zehn Jahre in der Sensorindustrie bei Sensirion AG tätig, wo er mehrere F&E-Teams leitete und zur Entwicklung von IoT- und Sensortechnologien beitrug.
Heute forscht und lehrt er an der Schnittstelle von Biosignalanalyse, künstlicher Intelligenz und Digital Health. Seine Projekte – darunter SHIFT, ConCLAS und Fokus-Uhr – verbinden Ingenieurwissenschaften, Datenanalyse und Gesundheitsinnovation, um neue Formen einer patientenzentrierten Versorgung zu ermöglichen.